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Warum ein Marketingübersetzer auch ein Harry Potter-Experte sein muss – Ein Profi gibt Einblicke
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12.03.2019 14:49
von Victoria Tymczuk

Warum ein Marketingübersetzer auch ein Harry Potter-Experte sein muss

Ein Profi gibt Einblicke

In unseren letzten beiden Blogbeiträgen haben Sie bereits eine Einführung in den Themenbereich „Marketingübersetzungen“ erhalten. Marketingübersetzungen sind unter anderem bei Webseiten, Katalogen, Flyern, Präsentationen und Broschüren gefragt. Und bei Stories. Bei den Stories der Jungfrau Region Tourismus AG beispielsweise.

Die Jungfrau Region Tourismus AG (JRT) bietet eine breitgefächerte Auswahl an Tourismusaktivitäten im Berner Oberland (Schweiz) und begeistert ihr Zielpublikum unter anderem mit Stories, die von der Region und deren Geschichte erzählen. Mit derselben Begeisterung unterstützt die LS One GmbH sie dabei, ihre Botschaft auch an die englischsprachige Leserschaft zu übermitteln.

Und wenn die Jungfrau Region schon eine Gemeinde namens Grindelwald besitzt, bietet sich selbstverständlich eine Story mit dem Namensvetter Gellert Grindelwald an – die Harry-Potter-Fans wissen natürlich, wer gemeint ist.

Libby, Marketingexpertin und Stammübersetzerin der JRT, hat diese Story ins Englische übersetzt. Sie nimmt uns mit zu Gleis 9 3/4 und gewährt im Rahmen eines Interviews Einblicke in ihren Arbeitsalltag.

LS One: Welche Fähigkeiten benötigt ein Übersetzer deiner Meinung nach, um Marketingtexte in die Zielsprache zu übertragen?

Libby: Am allerwichtigsten sind die Beherrschung der Ausgangssprache und die Fachkenntnisse der jeweiligen Branche. Der Ausgangstext muss bis ins kleinste Detail verstanden werden. Und wenn dieser von Harry Potter und Co. handelt, dann muss der Übersetzer ein Harry-Potter-Experte sein. Und wenn er das nicht ist, dann muss er in kürzester Zeit wohl oder übel zum Experten werden. Wie sonst sollen humorvolle Textstellen wie diese:

Da hat sich wahrscheinlich Hagrid im «Verbotenen Wald» einen riesen Feuerblitz gebastelt und ihn anschliessend zu Schrott geflogen. Kein Alkohol am Steuer – auch im Eigerdorf.

ohne Bezug zum Thema verstanden und im selben Stil übersetzt werden?

Natürlich muss der Übersetzer zudem gut schreiben können, da die Inhalte im Marketingbereich – im Gegensatz zu manch anderen Branchen – nicht wortwörtlich in der Zielsprache übernommen werden können bzw. sollten. Eine flexible Ausdrucksweise ist daher sehr wichtig. Der Übersetzer muss sich vom Ausgangstext lösen können. Am wichtigsten ist aber das Verständnis für beide Kulturen.  Ohne ein solches Verständnis kann die Botschaft nicht vermittelt werden und somit auch kein guter Zieltext entstehen.

LS One: Gibt es bei Marketingübersetzungen Regeln, die ein Übersetzer beachten sollte?

Libby: Ich glaube, es gibt wenige fixe Regeln. Die einzige, die mir einfällt, ist, dass man der Botschaft des Originaltextes treu sein muss. Der Bereich Marketing erfordert generell kreatives Übersetzen. Aber die Aufgabe ist trotzdem noch übersetzen, und nicht texten – auch wenn an manchen Textstellen die Fähigkeiten eines Copywriters gefragt sind.

Der Übersetzer muss zudem verstehen, WIE kreativ er sein darf. Und WIE weit er gehen darf. Denn jeder Kunde ist anders. Er muss zu Beginn versuchen, entweder in Abstimmung mit dem Kunden oder anhand von Referenzmaterialien, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was die Kundenerwartungen sind.

LS One: Kannst du uns ein Beispiel einer Textstelle in diesem Marketingtext der JRT nennen, bei dem zwingend Anpassungen an den Zielmarkt erforderlich sind?

Libby: Solche Anpassungen sind vor allem bei Sprichwörtern, Redewendungen und auch oft bei Textstellen mit viel Ironie und Humor notwendig, da der Humor bekanntlich von Kultur zu Kultur variiert. Bei diesem Text der JRT gibt es eine Textstelle, in der eine Beschimpfung vorkommt:

So ein Esel ist wirklich ein nützliches Tier, obwohl seine Gattung manchmal auch gebraucht wird, um Menschen zu beschimpfen. «Du Esel, du…»

Diese Beschimpfung stellt in der Übersetzung tatsächlich eine Schwierigkeit dar, da Beschimpfungen als Esel im Englischen nicht üblich sind. Aber das Tier muss im englischen Zieltext vorkommen, da auf dem dazugehörigen Bild ein Esel abgebildet ist und somit ein anderes Tier, das als Schimpfwort verwendet wird, nicht in Frage kommt.

In diesem Fall hatte ich Glück, dass es im Englischen das Wort „ass“ gibt, das früher ein übliches Synonym für „donkey“ war und heutzutage bekanntlich als Schimpfwort verwendet wird. Die erste Assoziierung, wenn man das Wort hört, ist heutzutage zwar nicht mehr Esel. Das ist aber in diesem Fall unwichtig, da lediglich ein Tiername gesucht wird, der auch als Beschimpfung verwendet wird.

Daher ist folgende Lösung passend:

A donkey, also called an ass, is really a useful animal, although its genus is sometimes also used as an insult. «You ass, you...»

LS One: Wie gehst du bei solchen Textstellen vor, die Anpassungen an den Zielmarkt und somit besonders viel Kreativität erfordern? Hast du Tipps und Tricks?

Libby: Zu Beginn sind vor allem drei Fragen wichtig:

  1. Welche Botschaft will der Autor vermitteln?
  2. An welches Zielpublikum richtet sich der Text?
  3. Welcher Stil wird verwendet, um die Botschaft zu kommunizieren?

Sind diese Fragen geklärt, sollte der Übersetzer seine Arbeit in mehrere Schritte unterteilen. Ich gehe bei Marketingübersetzungen immer wie folgt vor:

  1. Ich lese zunächst den gesamten Text von A bis Z durch, damit ich ein Gefühl für den Stil, die Sprache und die allgemeine Botschaft entwickle. Gleichzeitig überlege ich mir, wer das Zielpublikum ist. Wem soll das gefallen? Wer soll das lesen?
  2. In einem zweiten Schritt gehe ich den Ausgangstext nochmals Satz für Satz durch und verfasse die schlichte Botschaft jeden Satzes auf Englisch. Ohne Schnick-Schnack. Nur die einfache Botschaft. Wenn ich damit fertig bin, dann habe ich bereits einen ersten Entwurf des Zieltextes.
  1. Ich lege dann den Ausgangstext weg und konzentriere mich nur noch auf die Übersetzung. Und jetzt fange ich an, kreativ zu werden, die Sätze umzuformulieren und zu verbinden – immer abhängig vom Zielpublikum und dem Stil. Das wichtigste dabei ist, dass der ursprüngliche Sinn niemals verändert, sondern lediglich die Kommunikationsweise angepasst wird.

Bei diesem Auftrag der JRT sind (potentielle) Besucher der Region das Zielpublikum. Darunter fallen Besucher aller Altersklassen, die Harry Potter gut kennen. Das Zielpublikum ist international und bei den Lesern handelt es sich nicht unbedingt um englische Muttersprachler. Das heißt, die Sprache an sich muss frisch klingen und sollte nicht zu idiomatisch sein, damit der Zieltext auch für Nichtmuttersprachler gut verständlich und so zugänglich wie möglich ist.

Doch nun zurück zum Anfang: Natürlich muss nicht jeder Übersetzer ein Harry Potter-Experte sein. Doch wenn der Ausgangstext davon handelt, dann schon! Ohne das notwendige Textverständnis und Fachkenntnisse können keine kulturellen Bezüge hergestellt und die Botschaft nicht korrekt vermittelt werden. Echt erstaunlich, was ein professioneller Übersetzer alles können muss… Hut ab!

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